Stanišić„Vor dem Fest“ habe ich auf dem Tisch für ausrangierte Bücher in der Bibliothek gefunden. Zugegriffen und mitgenommen, bevor  jemand anderes das mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete Buch entdeckt. So gewappnet konnte mein Sommerloch beginnen.

„Vor dem Fest“ ist ein tragikomischer, aus zahlreichen skurrilen Miniaturen gewebter Dorfroman. Saša Stanišic entwickelt keine Handlung im eigentlichen Sinne, sondern ein Kaleidoskop mit Fragmenten von Geschichten aus der Nacht vor dem Fest und früheren Jahrhunderten,“ beschreibt Dieter Wunderlich in seinem Blog, „Bei den Legenden und Märchen imitiert er mitunter die frühneuhochdeutsche bzw. neuhochdeutsche Sprache.“

Das Schwierigste sei für Saša Stanišić gewesen, einen Erzähler für das Buch zu finden: „Ich hatte eine Fülle von Stimmen, ich hatte das Dorf als Körper, aber ich hatte keinen Erzähler“. Gewählt hat er das kollektive Wir, das alle Figuren einschließt, denn wer versteht schon, wie es hier bei „uns“ in der Uckermark zugeht?

Die Dörfler der Uckermark sind die letzten nicht globalisierten Deutschen, schreibt die Zeit. Beim Lesen sollen mir die Personen sympatisch werden, sogar die Eineinhalb Neonazis? Schallend lachen muss ich oft, aber ist das Leben dort so oder bin ich in einem Film von Kusturica?

Was man bei Stanišić  vergeblich sucht, ist  die Hoffnungslosigkeit der Nachwendezeit, denn solang noch ein DDR-Fön irgendwo Haare trocken kriegt, ist die DDR nicht tot.

Aus der Hand legen muss ich das Buch öfters, da keine kohärente Geschichte erzählt wird. Um so mehr genieße ich beim Weiterlesen die beeindrucken Sätze und Stile, die der Author beherrscht. „Dieser Roman ist nicht nur inhaltlich ein Fest, sondern auch sprachlich, ein Genuss, ein modernes Märchen über Herkunft und Vergangenheit, über Geschichte und ihre Präsenz in der Gegenwart,“ meint die Studentin Sophie Weigand.

Der Roman einer Nacht, die drei Livreen trägt: WAS WAR, WAS IST, WAS WIRD GESCHEHEN dauert länger als eine Nachtlesung. Für den Unterricht kann man ihn  von der A1 bis zur C2 einsetzen, da die Abschitte in sich geschlossen sind. Für Abiturklassen eignet sich, die Verknüpfungen zu markieren. Insofern genieße ich weiterhin eine humorvolle Sommerlochunterichtsvorbereitungslektüre.