Twittern, tweeten oder twitschern, wie ist es richtig? Mit meinem derzeitigen Spielzeug Ngram Viewer wollte ich der Sache auf den Grund gehen, doch die  Null- Einträge sind unglaublich. Als ich vor einigen Tagen nachfragte, ob es der oder das Blog heisst, bekam ich eine aufschlussreiche Antwort.

Das kann nicht sein, dass Twitter in keinem Buch erscheint, denn Twitter, die Anwendung zum Mikroblogging, gibt es seit 2006 . Allein im  April 2010 gab es 30 000 tägliche Neueinschreibungen. Twitter wird auch als soziales Netzwerk oder ein meist öffentlich einsehbares Tagebuch im Internet definiert. Unternehmen und Pressemedien nutzen Twitter als Plattform zur Verbreitung von Nachrichten.  Mich interessiert jedoch, wozu es in Deutsch als Fremdsprache eingesetzt werden kann.

Während einer online Fortbildung bemerkte ich, dass sich viele Fortbildungsprozesse der Englisch sprechenden Teilnehmer auf Twitter abspielten. Meine Neugierde war geweckt. Ohne mich anzumelden, fand ich im Live-Stream von Twitter  einen  tweet „Twitter – Ein Lehr-und Lernmittel“. Den sozialen Netzwerken stehe ich eher skeptisch gegenüber,  aber ich las mir  den ausführlich geschriebenen Artikel erst einmal aufmerksam durch. Nach einigem Überlegen gelangte ich zu der Erkenntnis, beruflich würde ich mehr verlieren als gewinnen , wenn ich kein Twitter Konto eröffnen würde.
Ein bisschen wackelig beim Senden des ersten Tweeds war ich doch, eigentlich war es mein zweiter, da ich zuerst  einen Fehler gemacht hatte und obendrein im holprigen  English, aber  innerhalb von ein paar Minuten meldete sich mein PLN, und ich zwitscherte gleich mit: „Chirpy, chirpy, tweet, tweet“



2010 wurde Twitter als das beste Tool for Learning gewählt, vor YouTube, Google Docs und Facebook,  das erst nach WordPress auf den neunten Platz kam. Moodle krebst seit vier Jahren zwischen dem 9. und 14. Platz. Beim Lernen geht es aber nicht um die Frage Twitter vs. Facebook, sondern  eher um den Trend 2011 , und  welchen Nutzen wir für unsere Lerner daraus ziehen können.
Bei einer einfachen Umfrage durch Handheben  musste ich jedoch in meinen Kursen feststellen, dass meine  Lerner so gut wie nie  twitschern aber alle, ohne Ausnahme,  simsen. Wahrscheinlich ist  bei Studenten der Sättigungsgrad an   Kommunikationsnutzung  erreicht, warum sollten  sie also  Twitter statt  SMS oder Facebook benutzen?
Eines der wertvollsten  Anwendungen von Twitter ist jedoch die Entdeckung von neuen Artikeln, Ideen und Trends. Jane Hart spricht deshalb seit kurzem über Twitter  als ein professionelles Entwicklungs-Tool. Sie führt sogar einmal pro Woche  eine  Zwitscherfortbildung auf Twitter durch, der sich jeder per Hashtag [# ] anschliessen kann. Somit ist Twitter zu einer Fortbildungsstätte für Lehrer und Lehrerinnen geworden.

Twitter ist wie ein Bach. Die Mitteilungen fliessen. Man entscheidet selber, ob man etwas  entnehmen oder hineineingeben will. Die  Stromgeschwindigkeit hängt davon ab, wieviele Mitteilungen in den persönlichen Strom eingegeben werden. Auf Twitter entscheidet man selber,  wer einem und wem man folgt, und nur die befinden sich  im eigenen Twitterfluss, denen man selber folgt. Die Funktionen sind einfach und  auf  140 Zeichen begrenzt, deshalb gibt es keine Bild- oder Video-Bibliotheken, keine komplizierten Profile oder  Beziehungstati. Aus diesem Grund wurde Twitter zur ersten Wahl für Profis, die eine soziale, arbeitsbedingte Netzwerkverbindung brauchen, auf der sie schnell Nachrichten verbreiten können.Viele Leute  führen sowohl ein  Twitter- als auch ein Facebook-Konto, indem sie von Twitter auf Facebook  posten.
Result hat eine Twitter-Studie erstellt, um verschiedene Twitter Nutzertypen ausfindig zu machen. Jörg Wittkewitz hat sie fogedermaßen kommentiert:
Cluster Impulsive Impulsive schreiben ausdrucksstark, impulsiv und emotional. Ein Großteil ihrer Tweets sind direkte und deutliche Gefühlsäußerungen, sowohl positiver als auch negativer Art.
Cluster Chronisten Chronisten nehmen die frühere Eingangsfrage von Twitter „What are you doing?“ wörtlich. Sie halten chronologisch fest, was sie im Alltag tun.
Cluster RealTimer Anders als Chronisten („What are you doing?“) verstehen RealTimer Twitter im Sinne der unlängst neuformulierten Eingangsfrage „What’s happening?“.
Cluster Repeater Für Repeater ist Twitter ein kommunikatives System, um ihre gesamte Mediennutzung zu vernetzen.
Cluster Chatter Chatter nutzen Twitter im Prinzip wie einen öffentlichen Chat-Room.
Cluster Monothematiker Bei der Twitternutzung von Monothematikern steht stets ein zentraler Themenbereich im Vordergrund. Ihre Tweets sind in der Regel monothematisch fokussiert.

Die DaF-Profis auf Twitter sind jedenfalls alle sehr seriös. Es herrscht ein Geben und Nehmen von Hinweisen und selbstverfassten Beiträgen.
Um sich in die Materie zu vertiefenden, möchte ich auf die  55 Berichte zu Twitter for Learning hinweisen, und  um sich selbst zu überzeugen, kann ich nur bloggen: „Follow me on Twitter!“

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