Screen-Shot Wikipedia

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In dieser Woche war ich mal wieder Prüferin in der Voreinschreibung. Aber dieses Mal konnte ich ein neues Phänomen erleben. Die meisten Leute, die sich einstufen ließen, sagten, sie haben Deutsch mit Duolingo gelernt. Nachdem  sie den Einstufungstest gemacht hatten, und ich den mündlichen Ausdruck nach A 1.1 mit ihnen durchgeführt habe, konnte ich sie anstandslos in die A 1.2 einschreiben.

Was ist Duolingo? In einem technischen Blog, den ich gern lese, steht die knappe Erklärung, warum Israelis wohl damit  umgehen. „Gelernt werden kann per Web, oder per App unter Android oder iOS.“ Im Herbst 2013 bemerkte ich die ersten Selbstlerner, die mit dem App gelernt haben.  Zeitgleich veröffentlichte Cornelia Steinmann eine ausführliche Dokumentation des Wortschatzlernprogramms, in der sie ihren Selbstversuch anschaulich darstellt, wie sie als Dozentin für Deutsch damit Spanisch glernt hat. Außerdem geht sie auf alle Fragen ein, die Lehrende zu diesem Programm haben dürften.

Seitdem ist das Programm um den Incubator erweitert worden. Er ermöglicht zweisprachigen freiwilligen Usern, Kurse in allen möglichen Sprachen zu gestalten. Eine sehr gute Erklärung auf  Deutsch dazu findet man  auf dem Blog I simply love languages , wenn man nach unten scrollt.

Aber welche Geschäftsidee steckt hinter dem  Programm? Erst einmal ist ein kostenloses Sprachlernprogramm, das obendrein auch noch Spass macht, zu begrüßen.  Luis von Ahn will mit dem Projekt Duolingo jedoch etwas anderes. Duolingo betreibt ein Crowdsourcing-Modell, in dem die Texte von Usern übersetzt und bewertet werden. Der Inhalt stammt von Organisationen, die Duolingo dafür bezahlen.

Es ist also die alte Übersetzungsmethode, die bereits im 19. Jahrhundert Kritik hervorgerufen hat und die jetzt im App-Gewand den A 1.1 Kurs ersetzt. Wenigstens haben die Selbstlerner der Einschreibungswoche begriffen, dass man um Sprechen zu lernen, besser ins Goethe Instiut Israel geht.

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