Vorneweg geflippt

Flipped Classroom ist  für mich die Methode  der Binnendifferenzierung. Obwohl Flipped Classroom oder Inverted Classroom – in der Akademie heißt es Vortrag vorneweg/ vorneab – seit mehreren Jahren bekannt ist, haben  leider viele DaF-und DaZ-LehrerInnen immer noch keine Ahnung davon. Deshalb möchte ich die Methode kurz vorstellen:

Dadurch dass Lerninhalte  den Kursteilnehmern z.B. als Erklärfilm im Vorfeld zur Verfügung gestellt werden, bleibt im Unterricht mehr Zeit zum Üben und Anwenden der deutschen Sprache. Bei guter Durchführung gewinnen wir jetzt dafür immerhin bis zu 25 Minuten. Als Lehrende gebe ich beim Flipped Classroom Hausaufgaben auf, die den kommenden Untericht vorbereiten. Infolgedessen können die Lernenden eine Erwartungshaltung aufbauen, den neuen Inhalten motivierter gegenüberstehen und selbstgesteuert vorneweg neue Erkenntnisse und Einsichten gewinnen. Wielange sich jeder Einzelne damit beschäftigen will, ist selbst überlassen.

Das Netz ist voll von guten Erklärvideos, mit denen neuer Wortschatz vorneab eingeführt werden kann. Schwieriger wird es mit Grammatikvideos, die nicht unbedingt auf YouTube veröffentlicht sind. Hier empfehle ich den Lehrenden die Angebote der Verlage  durchzuforsten. Neuerdings wird in deren Werbeangeboten explizit auf  Grammatikclips hingewiesen.

Das Wichtigste für den Lehrenden ist jedoch die Gestaltung der nachfolgenden Präsenzphase, auf die ich in diesem Blog bereits hingewiesen habe. Die geflippte Phase fordere ich als Lehrende ein.

Nachdem ich suksessiv auf verschiedenen Kursstufen mit Flipped Classroom Erfahrungen sammeln konnte, gestalte ich seit Beginn des Wintersemesters 2017/18  alle meine Kurse damit.

Lesetipp: Wieso redet eigentlich niemand über … Hausaufgaben?

 

 

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DeepL und Google-Translate im DaF-Unterricht

 

DeepL sei für alle gedacht, die einen Text in einer Sprache verstehen wollen, die sie selbst nicht sprechen, oder  – wie ich-  einen Text in einer Sprache schreiben müssen , in der  sie so lala radebrechen.

Das Kölner Startup DeepL – ehemals Linguee – ist seit dieser Woche mit seinem maschinellen Übersetzer online – kostenlos. Meiner Meinung nach ist er wesentlich besser als Google Translate. Persönlich konnte ich ihn mit privater Korrespondenz auf Französisch testen.

Bis jetzt  kann der Übersetzer  nur im Browser genutzt werden. Apps für Android und iOS sollen in Arbeit sein,

Im Gegensatz zu Google Translate setzt DeepL nicht auf rekurrente neuronale Netze sondern auf  Convolutional Networks, wie sie bei der Bilderkennung üblich sind. Zur besseren Erklärung empfehle ich daher einen Artikel auf heise online. Wem das Lesen zu mühselig ist, kann die Erklärung  bei Deutschlandfunk Nova im Podcast hören.

Eigentlich schade, denn ich habe google.translate gerne als Lernaktion in B1/B2 Kursen eingesetzt.

translate-community

Im Plenun wird auf „Validate“ (Bestätigungstaste) geklickt. Daraufhin erscheinen komische Übersetzungen, die die Lerner auf ihre Richtigkeit bzw. den Stil prüfen.

Die Lerner erleben dabei Schwarmintelligenz in Echtzeit.

Als Kursleiter kann ich dabei feststellen, ob die Lerner die Rechtschreibung und Grammatik  beherrschen. Anschließend oder in der nächsten Stunde kann ich somit darauf direkt eingehen.

 

 

IDT 2017

IDT FribourgFribourg/ Freiburg in der – ach, viel zu teuren Schweiz- war Austragungsort

der IDT 2017 . Alle vier Jahre findet die internationale Tagung der DaF- und DaZ Lehrer statt, und dieses Mal feierte sie ihr 50jähriges Bestehen. Anscheinend etwas betagt, denn getwittert wurde nicht.

Es ging eher klassisch zu: Resulotionen zur Sprachpolitik, Verlagspräsentationen, Vorträge und Fachpodien. In der Sektion Kulturbezogenes Lernen mit Literatur habe ich den Beitrag „Der Lerner als Literaturkunde“ gehalten, in dem es um das Lesen von zeitgenössischer Literatur durch Unterstützung  digitaler Lernangebote  in Standardkursen am Goethe Institut Israel geht.

 

Anregungen für den eingenen Unterricht habe ich aus dem Vortrag   von Corina Löwe zur Landeskundevermittlung mit Graphic Novels mitnehmen können.  Dirk Skiba sprach von  Lernzielorientierung beim Einsatz literarischer Texte, die ihm eine Startline für die Unterrichtsplanung gibt. Ebenfalls zur Sektion ist im Magazin Sprache  der Artikel  „Von der Literatur Lernen“ erschienen.

IDT Beas Chefin

Nebenbei, am Präsentationsstand des Klett Verlages, sah ich, wie „Beas Chefin“ die neue App ausprobiert. Augmented – das ist zumindest der fortschrittliche Ansatz der Verlage. Gefallen hat mir außerdem ein Lehrwerk für lerngewohnte Lerner des Cornelsen Verlages.

An einer Didaktischen Werkschau habe ich ebenfalls teilgenommen, einem neuen Format, von dem ich hoffe, dass es vermehrt auf der IDT 2021 in Wien eingesetzt wird.

Echte Neuigkeiten erfuhr ich ausgerechnet im Vortrag zur Wortschatztiefe „Der rezeptive Wortschatzbedarf im Deutschen als Fremdsprache“ von Prof. Erwin Tschirner. Aufgrund seiner Forschung konnte er feststellen, dass den Lernern in der B2 nicht relevante bildungssprachliche Wörter – immerhin 33,4 % des Wortschatzes – beigebracht werden, die sie später im Studium nicht brauchen. Anscheinend beginnt die Vermittlung jener Wörter bereits in der B1 .

Aber es gibt ja auch Lerner, die der Generation 60plus angehören. Ich fand mich bestätigt, als ich merkte, dass auch die Kolleginnen aus Chile aufgrund von ForschungsergebnissIDT Jörgen aus Neurologie und Neurolinguistik die gleichen Unterrichtsmethoden anwenden.

Die  Resulotionen zur Sprachpolitik, die sowohl in einer Lang-  als auch in  einer Kurzfassung (4 Seiten) nachzulesen sind, sollte ich auch noch erwähnen.

„Nach der IDT ist vor der IDT 2021“ , meinte Cornelia Steinmann. Ob ich mich darauf freuen kann, ist fraglich. An der IDT2021 teilzunehmen, dazu möchte ich jedoch alle jüngeren KollegInnen ermuntern.

Foto: Mit Jörg Klinner, Leiter der Spracharbeit am Goethe-Institut Israel, vor der Uni-Mensa Fribourg/Freiburg

Durchgehört

lisa-rosa_128x128 Lisa Rosa- Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg- hat  Tim Pritlove ein zweieinhalbstündiges Interview zum Thema Schule und Lernen in der digitalen Welt gegeben. Ich habe es durchgehört!!!

Nach dieser Anstrengung muss ich  es in meinem Blog festhalten. Ja, das  Interview ist ein Zeitfresser, nebenbei konnte ich nicht wie beabsichtigt mein Arbeitszimmer aufräumen, aber das lag an der hervorragenden Linkliste. Während Lisa Rosa im Plauderton darauf einging, was man heute zum Thema Lernen und Lehren wissen und vor allem tun sollte, blieb mir genügend Zeit mitzulesen, wovon ich bisher nichts gehört hatte.

Als Erwachsenenbildnerin konnte ich, was sie über  belehrendes Lernen und über Projektlernen berichtete, nachempfinden. Für den DaF-Kursunterricht finde ich aus ihrer Liste die Kenntniss dieser Begriffe für unerlässlich:

via forschergeist.de

DaFür ist willkommen

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Nachdem die Stiftung Warentest  nur zwei Apps für Erwachsene: das Lern­programm „Ankommen“ vom Bundes­amt für Migration und Flücht­linge (BAMF) und das Lern­spiel „Lern Deutsch – Stadt der Wörter“ vom Goethe-Institut für empfehlens­wert hielt, gibt es jetzt die „Die DaFür-App“.

Herausgegeben von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes  (htw saar)  gibt es sie für Android– und iOS-Geräte.  Die App verlangt nach dem Herunterladen nicht nach einer aktiven Internetverbindung.

Entwickelt wurde sie für selbstlernende Flüchtlinge. Kursleiter können auf dem DaFür-Portal mehr darüber erfahren, wie sie ergänzend zu den Sprachkursen eingesetzt werden kann.

Die Module im Überblick

via Sprache ist Integration

Blab Blab neuer MOOC CL20

Ein neuer MOOC zum Corporate Learning 2.0 – #CL20 – begann diese Woche, in dem es um die Gestaltung des zukünftigen Lernens in Institutionen geht.

Wegen des Versöhnungstages war es mir erst am 4. Tag der Disskussion, an dem es bereits 500 Beiträge zu Lernarrangements und deren Implementierung gab, möglich, einzusteigen.

Einen Schwerpunkt der heutigen Diskussion bildet die Frage, wo die größten Widerstände bei der Einführung innovativer Lernarrangements zu erwarten sind und wie diese überwunden werden können. Zum einen würden die Hürden darin liegen, dass die Lerner nicht gewohnt sind, ihre Lernprozesse selbst zu gestalten. So jedenfalls nach Ansicht von Prof. Werner Sauter.

Mein Lernprozess begann mit einer Aufzeichnung der inoffiziellen „Cafeteria-Session“ in Blab.im, wo Harald Schirmer und Simon Dückert ihre ersten Erfahrungen im #CL20 ausplauderten. Ich werde hier öfters verweilen, die Atmosphäre gefällt mir, und ich möchte  die Plattform Blab.im  besser kennenlernen.

Danach folgte ein Blick in die „MOOC-Zeitung“ The Corporate Learning 2.0 Daily, die ich abonieren d.h. in die ich mich einschreiben musste.

Die offizielle „Campus-Plattform“ ist übersichtlich und inhaltlich gut gefüllt. Trotz ihres ansprechenden Layouts werde ich den #CL20 durch die „Hintertür“  Twitter  betreten. Einerseits passiert da das Neueste, andererseits kann man da sofort die besten Slogans lesen wie:  Teilnehmende kontrollieren für sich selbst den Erfolg, nicht der Trainer. (Ellen Trude SAP Seminar)

Mein eigener Twitterfluss informiert mich sofort über die „Bonmots“ des Kurses, wie zB den senior Trainer.

An der „Live Session“ zur Diskussionund Zusammenfassung der ersten Themenwoche konnte ich teilnehmen. Ganz baff musste ich jedoch feststellen, dass die Experten der „Next Education Week“ von pädagogischen Ansätzen und Methoden in der Unternehmensfortbildung sprechen. Zapperlapp ! Haben sie sich noch nie ernsthaft sich mit dem Begriff Andragogik auseinandergesetzt?

Die Bemerkung von Andreas Eckelt von DB Training, dass beim Lernen in Unternehmen klargestellt werden muss, ob Lernen am Arbeitsplatz  Arbeitszeit  und die entsprechenden Tools, zumindest die Bereitstellung entsprechender Geräte gegeben ist, ist mir nicht entgangen.

Crash-Kurse für Deutsch als Zweitsprache

Kindergarten_or_Special_Education_teacher_-_US_Census_Bureau„Crash-Kurse“ für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) brauchen Pädagogen an deutschen Schulen. Die Zeit drängt.

„Wir empfehlen Sensibilisierung für alle, Profilbildung für einige. In jedem Kollegium sollen Experten dazukommen mit einer tiefgründigen Ausbildung. Alle Lehrer sollen sensibilisiert sein, die Experten sollen nicht noch Überzeugungsarbeit leisten müssen,“ verlautete gegenüber der Süddeutschen Zeitung der Kölner Professor und Mercator-Geschäftsführer Michael Becker-Mrotzek.

Dazu braucht es „Crash-Kurse“ für Pädagogen an Schulen, wie Marlis Tepe, Chefin der GEW, verlangt. Für gelungenen Unterricht an Flüchlingskindern verteilt sie dafür auf  DKultur Komplimente  .

Aber woher sollen auf einmal die Tutoren für die Pädagogen der Crash Kurse  hergezaubert werden? Es  gibt sie , aber nicht vor Ort sondern online. Engagierte Pädagogen können sich von ihnen in einem Fernstudienkurs, einer berufsbegleitenden DaZ Weiterbildung, betreuen lassen.

Denkbar wäre auch eine Weiterbildung, bei der  stärker auf individuelle Förderung der Pädagogen vor Ort gesetzt wird. Aber dazu müsste erst einmal eine „Kultur des Willkommens der Tutoren“ etabliert werden.

Wie dem auch sei, mein Mini-Crash Kurs in DaZ ist dieser Link: Deutschkenntnisse auf der ersten Kompetenzstufe (A1) des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen ab dem Alter von 10 Jahren. Den können auch alle freiwilligen Flüchtlingshelfer nutzen.